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Gespräch

Lausitz Labor: Philosophisches Symposium - Dostojevskis "Brüder Karamasow" und die Figur des Großinquisitors

Eintritt frei

Tickets & Termine
© Ben Wiesenfarth

Über die Veranstaltung

Beginn

10:30 Uhr

Ende

17:30 Uhr

»Hereinforderung«, das Inspirationswort des Lausitz Festivals 2023, dient dem Lausitz Labor als Ausgangspunkt für Vorträge und Diskussionen. Im gesellschaftlichen Miteinander fordern Gerechtigkeit oder Gesetz mitunter Rache oder Gehorsam, aber manchmal ist es auch das Leben selbst, das von uns Menschen etwas fordert, zum Beispiel die Bereitschaft zu improvisieren und umzudenken, wie es viele Lausitzer:innen aktuell erleben. Doch was als Forderung an uns herantritt, muss nicht per se Unterwerfung oder Zwang bedeuten. Wo wir als denkende und fühlende Wesen respektvoll angesprochen und einbezogen werden, eben hereingefordert statt herausgefordert, können wir auch positiv motiviert und auf engagierte Weise für Neues einstehen und verbindlich werden.

Lausitz Labor lädt an drei aufeinanderfolgenden Tagen international ausgewiesene Spezialist:innen aus den Bereichen Philosophie, Soziologie, Recht, Literatur, Kunst- und Kulturwissenschaften zu einem Symposium in die Lausitz ein. Anhand einzelner Aspekte ausgewählter Kunstwerke des Festivals werden Themenkomplexe verhandelt und dabei die Wechselwirkung von Kunst und Gesellschaft reflektiert: Welche Art von Wirkungskraft und Kritik kann von Kunstwerken ausgehen? Wie formuliert und verhandelt Kunst grundlegende Normen und Ideale von Freiheit, Liebe und Gerechtigkeit? Auf welche Weise spielen Liebe, Treue und Verrat in neue Formen des Politischen hinein? Wie verhalten sich Demokratie, Recht und Freiheit zueinander? Ist Liebe käuflich? Wo endet Glück und beginnt Gewalt? Was lehrt uns die Kunst über Irrtum, Wahrheit und Hoffnung? Was bedeutet es, den Herausforderungen der Realität als Kollektiv und nicht (nur) als Individuum zu begegnen?

Die am Samstag stattfindenden Vorträge und das Panel sind zum einen vom Text »Ecce homo« von Friedrich Nietzsche inspiriert, zum anderen von Bernd Alois Zimmermanns »Ekklesiastische Aktion«. Darin geht es anhand von Bibelpassagen des Prediger Salomo um den Machtmissbrauch der Kirche und von Passagen aus Fjodor Dostojewskis Roman »Die Brüder Karamasow« konkret um die Figur des Großinquisitors, der den wiederauferstandenen Jesus Christus ein weiteres Mal vertreibt. Theorie-Impulse erweitern diesen Themenkomplex um die Frage nach der (In-)Stabilität von Ordnungen und der Aufsprengung durch Wandel, die zu rigiden Verteidigungsstrategien führen.

Kuration und Moderation: Christoph Menke, Christiane Voss, Lars Dreiucker, Fulvia Modica

Programmbezug: Über Werte und Wirklichkeit: Zimmermanns »Ekklesiastische Aktion«, »Der Großinquisitor« aus Dostojewskis »Die Brüder Karamasow« und Nietzsches »Ecce homo«

10:30–12:00 Uhr Vortrag 1: Der Verrat der Freiheit an die Ordnung
Vortrag: Helmut Lethen

12:30–14:30 Uhr Panel: Die Umwertung aller Werte
Mitwirkende: Helmut Heit, Stefania Maffeis

16:00–17:30 Uhr Vortrag 2: Freiheit und Aufsprengung der Ordnung
Vortrag: Susanne Baer

 

Gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

© Anna Weise
Professor für Neueste Deutsche Literatur

Prof. em. Dr. Helmut Lethen

Prof. em. Dr. Helmut Lethen lehrte von 1977 bis 1996 an der Universität Utrecht, anschließend übernahm er den Lehrstuhl für Neueste Deutsche Literatur in Rostock. Von 2007 bis 2016 leitete er das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien und von 2016 bis 2022 war er Gastprofessor an der Kunstuniversität Linz. Sein Buch »Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen« (1994) gilt als Standardwerk, »Der Schatten des Fotografen. Bilder und ihre Wirklichkeit« wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Zuletzt erschien »Der Sommer des Großinquisitors. Über die Faszination des Bösen« (2022).

© Harald Raab
Leiter des Kolleg Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar

Prof. Dr. Helmut Heit

Prof. Dr. Helmut Heit leitet an der Klassik Stiftung Weimar das Kolleg Friedrich Nietzsche sowie das Forschungsreferat und ist Honorarprofessor für Philosophie an der Technischen Universität Berlin. Seit 2017 ist er Mitherausgeber der internationalen Zeitschrift »Nietzsche-Studien«. Zuvor war er von 2015 bis 2018 Vize-Direktor der Akademie für Europäische Kulturen an der Tongji-Universität in Shanghai. Zu seinen letzten Publikationen gehört »Fortgesetzte Identitätskrise. Der Westen im Spiegel Chinas« (Kursbuch 211, 2022).

© Matthias Neumann
Professorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Theorie/Bildungstheorie

Prof. Dr. Stefania Maffeis

Prof. Dr. Stefania Maffeis ist seit 2020 Professorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Theorie/Bildungstheorie an der Evangelischen Hochschule Dresden. Sie verfasste umfangreiche Schriften über unter anderem Hannah Arendts politische Theorie, die Geschichte der Philosophie in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland und über die politische Philosophie der Migration. In ihren aktuellen Publikationen analysiert sie intellektuelle und politische Kämpfe um die Umsetzung eines Menschenrechts auf globale Bewegungsfreiheit in Europa.

Rechtswissenschaftlerin und Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Susanne Baer, LL.M

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Susanne Baer, LL.M. ist seit 2002 Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort leitete sie von 2003 bis 2010 das GenderKompetenzZentrum zur Beratung der Bundesregierung, gründete 2008 das Institut für interdisziplinäre Rechtsforschung – Law & Society Institute und initiierte die Humboldt Law Clinic für Grund- und Menschenrechte. Susanne Baer war als Sprecherin des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien tätig und von 2009 bis 2010 als Vizepräsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin. 2011 erhielt sie die Urkunde zur Ernennung als Richterin des Bundesverfassungsgerichts. Die zwölfjährige Amtszeit endete im Februar 2023

© privat
Professorin für Philosophie und Ästhetik

Prof. Dr. Christiane Voss

Prof. Dr. Christiane Voss ist Professorin für Philosophie und Ästhetik an der Bauhaus-Universität Weimar. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Medienphilosophie, philosophische Ästhetik und Anthropologie. Derzeit ist sie Sprecherin des DFG-Graduiertenkollegs »Medienanthropologie« an der Bauhaus-Universität. Zuletzt ist von ihr (und Lorenz Engell) erschienen »Die Relevanz der Irrelevanz. Aufsätze zur Medienphilosophie« (2022).

© privat
Professor für Praktische Philosophie

Prof. Dr. Christoph Menke

Prof. Dr. Christoph Menke ist Professor für Praktische Philosophie am Institut für Philosophie der Goethe-Universität, Frankfurt/Main. Seine Forschungen in den letzten Jahren beschäftigen sich mit der Frage nach »Normativität und Freiheit« in den Feldern der Philosophie des Rechts, der Politischen Philosophie und der Ästhetik. Zuletzt erschienen: »Theorie der Befreiung« (2022).

© privat
Philosoph, Kurator, Autor

Lars Dreiucker

Lars Dreiucker hat Philosophie studiert in Dublin, Berlin und Potsdam. Beim Lausitz Festival ist er Koordinator der diskursphilosophischen Sparte. Er arbeitet als Lehrbeauftragter an der Berlin School of Popular Arts sowie als freier Kurator und Autor. An einer Grundschule in Brandenburg unterrichtet er Gesellschaftswissenschaft. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Phänomenologie, Ästhetik, Liebe, Logik, Theorie der Popkultur.

© privat
Philosophin und kuratorische Mitarbeiterin

Fulvia Modica

Fulvia Modica hat Philosophie und Geschichte in Palermo, Heidelberg und Berlin studiert. Sie ist kuratorische Mitarbeiterin der Autorin und Philosophin Eva von Redecker. Seit 2022 ist sie Ko-Organisatorin der Gesprächsreihe »Eva and the Apple« am Schauspiel Köln und seit 2023 Koordinatorin der diskursphilosophischen Sparte des Lausitz Festivals.

Mitwirkende

  • Kuration und Moderation Christoph Menke, Christiane Voss, Lars Dreiucker, Fulvia Modica

Veranstaltungsort

  • Veranstaltungsort Altes Stadthaus, Cottbus / Chóśebuz

  • Adresse Altmarkt 21, 03046 Cottbus / Chóśebuz

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Kooperationspartner

ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Philosophie Magazin

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