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Literatur

»Das weiße Leintuch«

Lesung mit Corinna Harfouch und Hideyo Harada aus Antanas Škėmas gleichnamigem Roman

Tickets & Termine
© Harald Hauswald

Über die Veranstaltung

Beginn

19:30 Uhr

Ende

21:30 Uhr

»Das weiße Leintuch« ist ein Meilenstein der modernen Literatur in Litauen. Im New Yorker Exil entstanden, erzählt Škėma auf Basis seiner eigenen Biografie das Leben des litauischen Exilanten Antanas Garšva. Im New York der frühen 50er Jahre verdingt er sich als Liftboy im größten Hotel der Stadt. Sein tägliches Auf und Ab im Fahrstuhl kommt ihm selbst vor wie die Arbeit des Sisyphos (was Škėma die Bezeichnung »litauischer Camus« eintrug). Die stupide Repetition des Immergleichen, dazu die reizüberflutende Scheinwirklichkeit der amerikanischen Megacity, zehren an den Nerven des ohnehin neurasthenischen Garšva, der sich doch als Dichter sieht, geboren, um Verse für die Ewigkeit zu hinterlassen.  

In expressionistischem und assoziativem Stil, durchsetzt von episodischen Rückblenden in die eigene Kindheit und Jugend, dem Erwachen der ersten Liebe und ihrem notwendigen Verlust, der politischen Indoktrination in der eigenen Heimat, schließlich der Auswanderung, eröffnet sich nicht nur das präzise, facettenreiche Psychogramm eines Getriebenen und Irrenden, sondern zugleich ein höhnisch verzerrtes Mosaik des von Ideologien beherrschten 20. Jahrhunderts: vom sozialistischen Kaunas in Litauen bis zum geistentleerten, kapitalistisch durchhöhlten New York der Nachkriegsjahre, unter dessen glanzvoller Oberfläche durch Škėmas gnadenlos skalpierenden Blick der triefende Eiter sichtbar wird. 

Die Übersetzerin Claudia Sinnig hat diese feinkomponierte Tirade in all ihrer Schroffheit, Verzweiflung und sprachlichen Sprengkraft übertragen und Škėma damit zum ersten Mal überhaupt eine deutsche Stimme verliehen. Für deutsche Leserinnen und Leser eine späte, echte Neuentdeckung.  

Bei der Lesung nimmt auch Musik einen wichtigen Platz ein. Die Pianistin Hideyo Harada spielt Klavierstücke von Bach über Mozart, Chopin und Schumann bis zu Čiurlionis und Bartók.  

 

Video-Empfehlung: 

»Das weiße Leintuch« von Antanas Škėma – vorgestellt von Thoralf Czichon I LiteraturNews

Der neue Dramaturg Literatur des Lausitz Festivals, Thoralf Czichon, betreibt neben seinem Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und seiner Teilzeitarbeit in einer kleinen inhabergeführten Wiener Buchhandlung auch den sehr sehenswerten Literatur-Blog LiteraturNews auf YouTube.

In einer kürzlich aufgenommenen Episode liest er selbst aus dem Roman »Das weiße Leintuch« von Antanas Škėma, den er uns in der Veranstaltung mit Corinna Harfouch und Hideyo Harada am 1. September im Kulturforum Görlitzer Synagoge noch näherbringen möchte. Und er spricht in diesem Video über das Werk, das ihn so fasziniert und begeistert.

Existenzialismus aus Litauen: »Das weiße Leintuch« von Antanas Škėma

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© Pascal Bünning
Lesung

Corinna Harfouch

Corinna Harfouch arbeitet als Schauspielerin und Regisseurin. Es war die Lust am Spielen, die sie ins Theater brachte. Sie studierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und hatte erste Engagements in Karl-Marx-Stadt, an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und am Berliner Ensemble. Seit 1991 ist sie freischaffend und gehört zum Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin. Das Spiel von Corinna Harfouch zeichnet sich durch Wandelbarkeit, Präzision, Körperlichkeit, Poesie und Witz aus. Ihre Figuren sind vielschichtig, sozial kenntlich und individuell, ihre Stimme ist unverwechselbar und modulationsreich: mädchenhaft hell, naiv, streng, sinnlich tief, sachlich, staunend.

Im Theater arbeitete Corinna Harfouch mit Regisseuren wie Heiner Müller (»Macbeth«, 1983), Horst Sagert (»Faust-Szenen«, 1984), Frank Castorf (»Des Teufels General«, 1996), Jürgen Gosch (»Wer hat Angst vor Virginia Woolf?«, 2004, »Ein Sommernachtstraum«, 2007, »Die Möwe«, 2008) und Herbert Fritsch (»Die Physiker«, 2013) zusammen. Als Regisseurin inszenierte sie Texte von Tschechow, Marguerite Duras, Etel Adnan und anderen.  

Zu ihren wichtigsten Arbeiten für Film und Fernsehen zählen »Die Schauspielerin« (1988), »Treffen in Travers« (1988), »Charlie & Louise« (1994), »Sexy Sadie« (1996), »Gefährliche Freundin« (1996), »Der große Bagarozy« (1999), »Vera Brühne« (2000), »Bibi Blocksberg« (2001), »Der Untergang« (2004), »Rose« (2005), »This is Love« (2009), »Giulias Verschwinden« (2009), »Was bleibt« (2012), »Puppe« (2012), »Der Fall Bruckner« (2014), »Lara« (2017), »Deutschland 89« (2019), »Alles in bester Ordnung« (2020),  und viele andere. Seit 2023 verkörpert sie die Berliner »Tatort« Kommissarin Susanne Bonard. 

Corinna Harfouchs Leidenschaft gilt der Literatur. Für ihr eigenes Lesetheater erarbeitete sie – häufig mit anderen Künstlerinnen und Künstlern – Programme zu Texten von Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Heiner Müller, Etel Adnan, Christa Wolf, Philippe Malone und anderen. Gefragt ist sie als Sprecherin in Hörspielen und Audiobooks, etwa von Texten von James Joyce, Franz Kafka, Katia Mann, Arno Schmidt, Christa Wolf, Lothar Trolle oder Thomas Heise. 

Corinna Harfouch erhielt den Gertrud-Eysoldt-Ring, die Auszeichnung als Schauspielerin des Jahres, den Berliner Theaterpreis, den Grimme-Preis, die Goldene Kamera, den Deutschen Schauspielerpreis und etliche weitere Auszeichnungen. 

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© Uwe Arens
Pianistin

Hideyo Harada

Die japanische Pianistin Hideyo Harada begann ihre musikalische Ausbildung in Tokio, ehe sie ihre Studien bei Lieselotte Gierth in Stuttgart sowie bei Hans Kann und Roland Keller in Wien fortsetzte. Den letzten Schliff holte sie sich bei Viktor Merzhanov am Tschaikowski-Konservatorium Moskau. Harada gewann unter anderem den Concours International d’Exécution Musicale in Genf sowie den 1. Preis beim Internationalen Schubert-Wettbewerb in Dortmund. Darüber hinaus war sie Preisträgerin beim Internationalen Rachmaninow-Wettbewerb in Moskau.

Neben einem Schubert-Zyklus, den sie gemeinsam mit namhaften Partnern in Tokio realisierte, nimmt auch die Pflege zeitgenössischer Musik einen wichtigen Stellenwert im Schaffen der Pianistin ein. Stellvertretend seien Komponisten wie Viktor Ullmann, Ernst Krenek, Toru Takemitsu, Toshio Hosokawa oder Tan Dun genannt. Harada besorgte zudem die japanische Erstaufführung von Alfredo Casellas Scarlattiana op. 44 für Klavier und Orchester. 

Kammermusikpartner sind etwa das Borodin Quartett, der Cellist Jens Peter Maintz und der Bariton Roman Trekel. Musikalisch-literarische Programme gestaltet Hideyo Harada gemeinsam mit den Schauspielern Corinna Harfouch, Peter Lohmeyer, Thomas Thieme und Hanns Zischler. Aufnahmen bei internationalen Rundfunk- und Fernsehanstalten runden ihre Tätigkeit ab. 

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Mitwirkende

  • Lesung Corinna Harfouch

  • Musik Hideyo Harada

Veranstaltungsort

  • Veranstaltungsort Kulturforum Görlitzer Synagoge

  • Adresse Otto-Müller-Straße 3, 02826 Görlitz

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