Theater

Elfriede Jelinek: »Rein Gold« – ein Bühnenessay

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© Karin Rocholl

Über die Veranstaltung

Beginn

19:30 Uhr

Ende

22:00 Uhr

Lassen sich Verhältnisse denken, die nicht von kapitalistischen Wirkmechanismen durchdrungen sind, wo nicht das Geld die Welt und gefährliche Heldenmythen die Köpfe regieren? Ausgehend von einem Dialog zwischen Göttervater Wotan und seiner Lieblingstochter Brünnhilde im 3. Akt der »Walküre« nimmt Elfriede Jelinek die Geschehnisse in Richard Wagners monumentalem »Ring«- Zyklus in Augenschein und verlängert diese in unsere Gegenwart. Und plötzlich reicht das Gespräch vom Kampf um den Nibelungenschatz in mythologischer Vorzeit über Karl Marx’ Thesen in »Das Kapital«, bis zur Bankenkrise, dem höchst dubiosen Finanzgebaren eines deutschen Bundespräsidenten und den brutalen Morden einer nationalsozialistischen Terrorzelle in Zwickau.

Ort der wortreichen Auseinandersetzung ist Walhall, das Wohnhaus der Götterfamilie, eine Baustelle. Mittlerweile eine Bauruine. Wie rastlose Geister durchstreifen sie monologisierend den unwirtlichen Ort: Wotan, der Göttervater und Großunternehmer, der den Riesen einiges versprochen, sie dann aber ausgebeutet und betrogen hat, und Brünnhilde, die aufgebrachte Tochter, die den Gesetzen der Väter nicht mehr gehorchen will. In welcher Weise aber zeigt sich heute das Aufbegehren, wenn Marx und seine Theorien zwar noch zur Kapitalismusanalyse taugen, aber nicht mehr zur Utopie? Die Revolution schläft, wie Brünnhilde hinter dem Feuerwall. Die Sehnsucht nach gesellschaftlicher Veränderung und Transformation nimmt in Rein Gold unerwartete Formen an, die Frage nach den Helden, den alten und den neuen wird gestellt, an ihnen hängt Erlösungssehnsucht. Spätestens da befindet sich Elfriede Jelinek mit ihrem Text in unserer ganz unmittelbaren Gegenwart und Nähe.
 

Wir danken den Werkstätten der Münchner Kammerspiele, die der Produktion einzelne Bühnenelemente und Teile des Kostümbildes zur Verfügung gestellt haben.

Autorin

Elfriede Jelinek

Elfriede Jelinek, 1946 geboren, wuchs in Wien auf. Bereits mit vier Jahren erhielt sie Ballett- und Französischunterricht, in der Folgezeit eine umfassende musikalische Ausbildung. 1960 begann sie am Wiener Konservatorium Klavier und Komposition zu studieren. Nach dem Abitur 1964 wechselte sie an die Universität Wien und studierte Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. 1967 brach sie ihr Studium ab und begann zu schreiben. Lyrik und Prosatexte erschienen in Anthologien und Literaturzeitschriften vor ihrer ersten Buchveröffentlichung mit wir sind lockvögel baby (1970).  Mittlerweile zählt Elfriede Jelinek zu den bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren.

Neben Lyrik, Essays, Übersetzungen, Hörspielen, Drehbüchern und Opernlibretti umfasst ihr Werk die Romane Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft (1972), Die Liebhaberinnen (1975), Die Ausgesperrten (1980), Die Klavierspielerin (1983), Lust (1989), Die Kinder der Toten (1995), Gier (2000) sowie den Prosaband Oh Wildnis, oh Schutz vor ihr (1985) und den Privat- bzw. Internetroman Neid (2007-2008).

1979 wurde ihr Theaterstück Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften uraufgeführt, seither gefolgt von weiteren Theatertexten, darunter Clara S. musikalische Tragödie (Uraufführung 1982), Burgtheater. Posse mit Gesang (U 1985), Krankheit oder Moderne Frauen (U 1987), Wolken.Heim. (U 1988), Totenauberg (U 1992), Raststätte oder Sie machens alle (U 1994), Stecken, Stab und Stangl (U 1996), Ein Sportstück (U 1998), er nicht als er (zu, mit Robert Walser) (U 1998), MACHT NICHTS – Eine kleine Trilogie des Todes (U 2001), In den Alpen (U 2002), Prinzessinnendramen – Der Tod und das Mädchen (U 2002), Das Werk (U 2003), Bambiland (U 2003), Babel (U 2005) Ulrike Maria Stuart (U 2006), Über Tiere (U 2007), Rechnitz (Der Würgeengel) (U 2008), Die Kontrakte des Kaufmanns (U 2009) und Winterreise (U 2011).

Für MACHT NICHTS – Eine kleine Trilogie des Todes und Das Werk erhielt sie 2002 bzw. 2004 den Mülheimer Dramatikerpreis, der ihr ebenso 2009 für Rechnitz (Der Würgeengel) und 2011 für Winterreise verliehen wurde.

In den Kritikerumfragen von Theater heute wurde Elfriede Jelinek jeweils mit Totenauberg, Stecken, Stab und Stangl, Ein Sportstück, Rechnitz (Der Würgeengel) und Winterreise zur Besten Dramatikerin des Jahres gewählt.

Ausgezeichnet wurde Elfriede Jelinek außerdem u. a. mit dem Österreichischen Staatsstipendium für Literatur (1973), der Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim (1978), dem Drehbuchpreis des Bundesinnenministeriums der Bundesrepublik Deutschland (1979), dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (1986), dem Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum und dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen (beide 1994), dem Bremer Literaturpreis (1996), dem Georg-Büchner-Preis (1998), dem Theaterpreis Berlin 2002, dem Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf (2002), dem Else-Lasker-Schüler-Preis 2003 für ihr dramatisches Gesamtwerk und dem Lessing-Preis für Kritik (2003). Für die Hörspielfassung von Jackie (Teil 4 der Prinzessinnendramen) erhielt sie 2004 den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Ebenfalls 2004 wurde sie in Schweden mit dem Stig-Dagerman-Preis sowie in Tschechien mit dem Franz-Kafka-Literatur-Preis ausgezeichnet. Im Dezember 2004 wurde Elfriede Jelinek der Nobelpreis für Literatur verliehen.

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Mitwirkende

  • Regie Christiane Pohle

  • Regieassistenz Vivian Schmidt

  • Dramaturgie Hubert Bauer

  • Ausstattung Dorothee Curio

  • Ausstattungsmitarbeit Cristina Lelli

  • Schauspiel Marie-Joelle Blazejewski, Leon Haller, Anita Iselin, Marianne Helene Jordan, Anselm Juhani-Müllerschön, Anna Schönberg, Dominik Tippelt

  • Licht Ralf Wapler

  • Ton Tobias Kanter

  • Produktionsleitung Kerstin Slawek

  • Technische Leitung Sören Hannusch

Veranstaltungsort

  • Veranstaltungsort Filmtheater Friedensgrenze, Guben

  • Adresse Karl-Marx-Straße 56, 03172 Guben

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Kooperationspartner

Filmtheater Friedensgrenze, Guben
neue Bühne Senftenberg

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