Konzert


»Wandlung ist notwendig wie die Erneuerung der Blätter im Frühling.« (Vincent van Gogh)

Gidon Kremer spielt Weinberg

Gidon Kremer, einer der bedeutendsten Geiger unserer Zeit, nähert sich gemeinsam mit dem Fotografen Antanas Sutkus dem Holocaust in Litauen und dessen Opfern. Kremer und Sutkus, beide aufgewachsen im Baltikum zur Zeit der sowjetischen Okkupation, eint der Blick auf das Vergangene. Geschichte(n) auf mehreren Ebenen zu erzählen ist der Anspruch des Konzertabends, der die Präludien von Mieczysław Weinberg in den Fokus rückt – eines Komponisten, in dessen Musik eine bewegte jüdische Biografie mitschwingt.

Gidon Kremer, Violine - Georgijs Osokins, Klavier - Antanas Sutkus, Fotografie

 

»Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt.«  (Robert Musil)

Mahlers »Lied von der Erde« für Ohren und Augen

Im Zentrum steht Gustav Mahlers LIED VON DER ERDE, mit Stardirigent Sylvain Cambreling und einer Sängerbesetzung der Weltklasse (siehe auch 30. September in Doberlug). Es geht um existenzielle Fragen: Wie lieben? Wie leben? Wie sterben? Was hoffen? Die Videoinstallation von Aron Kitzig, die auch Bildwelten verwendet, die eine Künstliche Intelligenz in der Begegnung mit Mahlers Werk geschaffen hat, lässt uns unsagbare, kaum fassbare Raumzeiten im Spiegel sehen.

Symphoniker Hamburg - Sylvain Cambreling, Dirigent - Michael König, Tenor - Michael Volle, Bariton - Aron Kitzig, Videokünstler

 

»Denn mit den Geistern anderer Jahrhunderte verkehren, ist fast dasselbe wie reisen.« (René Descartes)

Mischa, Lily und Sascha Maisky: Solo, Duo, Trio

Der in Riga geborene Ausnahme-Cellist spielt Solo, Duo und Trio zusammen mit seinen Kindern und durchwandert so hörbar die Jahrhunderte.

Werke von J. S. Bach, P. I. Tschaikowsky, A. Skrjabin, S. Rachmaninow, D. Schostakowitsch

Lily Maisky, Klavier - Sascha Maisky, Violine - Mischa Maisky, Violoncello

 

»Das Unglück ist wie das Meer: du kannst es weder durchschwimmen noch austrinken.« (russisches Sprichwort)

Chorkonzert: »Gebete am Meer«

Wie könnten wir handeln und wie handeln wir tatsächlich? Sind wir als Individuen zu gleichgültig gegenüber den Tragödien, die unseren Mitmenschen widerfahren? Ist die Natur lediglich schweigende Kulisse, oder wohnt ihr eine höhere Kraft inne? Diese Fragen wirft das neue Werk des Komponisten Elmar Lampson auf, das in zwei Teilen – gleich einem aufgeschlagenen Buch – von der Flucht erzählt. Es ist die Flucht über »Die stumme Erde«, die in »Gebete am Meer« mündet. Für Schlagzeug und Chor komponiert, malt es ein musikalisches Bild von den Ausgelieferten, ihrer Hoffnung und ihrer Verzweiflung.

Elmar Lampson: »Gebete am Meer« für Chor und Schlaginstrumente – Uraufführung

Europa Chor Akademie Görlitz - Schlagzeuger des Klangforum Wien - Sylvain Cambreling, Dirigent

 


»Was bleibet aber, stiften die Dichter.« (Friedrich Hölderlin)

Kommen und Gehen - Das Sechsstädtebundfestival: »Ein literarisch-musikalischer Abend auf Spuren Hölderlins«

Wir packen unsere Koffer und nehmen mit...

... eine Singstimme, ein Akkordeon, eine Sprecherstimme, Audio-Einspielungen; auf der einen Seite den jungen Friedrich Hölderlin; auf der anderen Seite das Thema, unterwegs zu sein; Neue Musik und Bekanntes; Gesungenes und Gesprochenes; unbedingt Offenheit und Humor – denn wer versteht schon Hölderlin?

Mit Texten von Hölderlin und Musik von Britten, Eisler, Hindemith, Staffel, Stolte, do Nascimento und Seel; mit eigenen Reflexionen und Fieldrecordings kreieren Anne Schneider (Gesang), Susanne Stock (Akkordeon) und Astrid Alexander (Audio) ein vielschichtiges Konzerterlebnis. Nicht zu verkopft, sondern auf charmant-offene Art ringen sie mit Hölderlins Worten, fühlen seine Kraft und gleichzeitig sein Zweifeln.

Mit dem Publikum schreiten wir voran durch Hölderlins frühe kraftvolle Jahre und können uns in seinem Idealismus, seiner wunderschönen Sprache, seinem klugen Denken spiegeln; wo stehen wir? Und immer wieder: was will uns der Dichter damit sagen? Wir müssen nichts sogleich verstehen, dürfen aber.

Annäherung und Begegnung – eine bescheidene Hommage an Hölderlin. Wir glaubten, nun endlich auf dem rechten Weg zu sein. Wir sind es wohl!

Ensemble Akrotesque: Anne Schneider, Gesang - Susanne Stock, Akkordeon

Urs Stämpfli, Stimme - Astrid Alexander, Audio

  

»Wo das Leben aufhört, fängt das Überleben an.« (Noah Seattle)

Die Überlebenden: Konzertlesung

Simon Laks, Władysław Szpilman, Mieczysław Weinberg: Drei Komponisten, drei Biografien, drei Schicksale; eng verwoben mit der Musik. Als polnischer Jude floh der erfolgreiche Musiker Weinberg im Jahr 1939 in die Sowjetunion und überlebte als einziger seiner Familie den Krieg. Als Überlebender des Warschauer Ghettos wurde »der Pianist« Szpilman spätestens mit der Verfilmung seiner Autobiografie berühmt. Als Leiter einer der Lagerkapellen in Auschwitz II-Birkenau überlebte Laks den Holocaust »durch eine unendliche Reihe von Wundern«. Aus seinen Memoiren lesen Annie Dutoit und Hans-Jürgen Schatz, umrahmt von Musik der drei »Gefährten«.

Werke von S. Laks, W. Szpilman, M. Weinberg, Texte von S. Laks,

Rezitation: Annie Dutoit, französisch / Hans-Jürgen Schatz, deutsch - Akane Sakai, Klavier

Guy Braunstein, Violine - Zvi Plesser, Cello

 

»Ein Käfig ging einen Vogel suchen.« (Franz Kafka)

Kommen und Gehen – Das Sechsstädtebundfestival: »Il n'y aura plus de Temps - Es soll hinfort keine Zeit mehr sein«

Im Jahre 1940/41 komponierte Olivier Messiaen im deutschen Kriegsgefangenenlager Stalag VIII-A in Görlitz sein »Quatuor pour la fin du temps« – »Quartett für das Ende der Zeit«. Uraufgeführt mit drei ebenfalls inhaftierten Musikern, erklang es am 15. Januar 1941 vor über 400 Mitgefangenen. »Nie wieder hat man mir mit solcher Aufmerksamkeit und solchem Verständnis zugehört wie damals«, schrieb Messiaen Jahrzehnte später. Fast 80 Jahre nach seiner Entstehung widmen sich fünf Musiker*innen diesem besonderen Quartett auf neue, schöpferische Weise. Messiaens Musik wird rekomponiert und mit Elektronik und Improvisationen erweitert – Teile des Quartetts erklingen dennoch im Original.

Kai Schumacher, Klavier - Konstantin Dupelius, Klavier, Elektronik - Susan Joseph, Klarinette

Yana Gottheil, Violine - Elif Dimli, Violoncello

 

»Die Kunst? Was ich ohne sie wäre? Ich weiß es nicht. Doch mir graut – seh ich doch was ohne sie Hundert’ und Tausende sind!« (Ludwig van Beethoven)

Kommen und Gehen – Das Sechsstädtebundfestival: »#freechamber: Beethovens 9. recomposed«

Das STEGREIF.orchester präsentiert große Sinfonien auswendig und ohne Dirigent mit rund 30 improvisierenden Musiker*innen. Bei der Chamber-Produktion konzentrieren sie ihre Spielweise auf rund 11 Musiker*innen, womit die Hauptelemente der großen Besetzung — Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Rhythm Section (Gitarre, Bass, Schlagzeug) — beibehalten werden. 1998 hat sich die Stadt Görlitz zusammen mit der ehemals zu Görlitz gehörenden polnischen Stadt Zgorzelec zu einer Europastadt erklärt und den Namen „Europastadt Görlitz/Zgorzelec“ gegeben. Dieser Görlitz-Bezug wird mit polnischem und deutschen Volksliedergut, aber auch mit Volksliedern aus den verschiedenen Heimatländern der Musiker*innen, hörbar werden. Inspiriert von Beethovens neunter Sinfonie, die für Freiheit, Zusammenhalt und Menschlichkeit steht, verknüpfen sich berühmte Melodien dieser verschiedenen Kulturen mit bunten Improvisationen.

STEGREIForchester

 

»Blicke in die schöne Natur und beruhige dein Gemüt über das Müssende!« (Ludwig van Beethoven)

Martha Argerich, Charles Dutoit, Neue Lausitzer Philharmonie

Sie ist eine lebende Legende: Die neunundsiebzigjährige Ausnahmepianistin Martha Argerich gestaltet das Klavierkonzert Nr. 2 von Ludwig van Beethoven, begleitet von der Neuen Lausitzer Philharmonie unter der Leitung von Charles Dutoit – umrahmt von Interludien der sorbischen Theremin-Spielerin Carolina Eyck.

S. Barber: »Adagio for Strings«, W. A. Mozart: Sinfonie Nr. 29 A-Dur, L. v. Beethoven: Klavierkonzert Nr. 2 B- Dur, Interludien für Theremin von C. Eyck

Neue Lausitzer Philharmonie - Charles Dutoit, Dirigent - Martha Argerich, Klavier

Carolina Eyck, Theremin

 

»Chopins Werke sind unter Blumen eingesenkte Kanonen.« (Robert Schumann)

Martha Argerich, Stephen Kovacevich and friends

Gleichsam rückwärtsgewandt erscheint das Konzertprogramm mit Werken von Mieczysław Weinberg, Frédéric Chopin und Johann Sebastian Bach nur auf den ersten Blick. Denn die Rückbesinnung auf und Ausrichtung an Bach ist seit der vor zweihundert Jahren durch Felix Mendelssohn Bartholdy eingeläuteten Bach-Renaissance ungebrochen. Zunächst ertönen Duos mit Flöte von Weinberg, bevor dann Martha Argerich Chopins Zauber hörbar werden lässt, und schließlich erklingt »the Father of Us All«: Johann Sebastian Bach.

Martha Argerich, Klavier | Stephen Kovacevich, Klavier| Akane Sakai, Klavier | Susanne Barner, Flöte

 

»Der Anfang fürchtet oft, womit das Ende scherzt.«  (Andreas Gryphius)

Piotr Anderszewski spielt Beethoven und Bach

Der u. a. in London, Berlin, Wien und New York gefeierte polnische Pianist Piotr Anderszewski wird aus Bachs Wohltemperierten Klavier Präludien und Fugen präsentieren, mit denen der barocke Tonsetzer alle Tonarten chromatisch aufsteigend in Dur und Moll kompositorisch durchlief.

Aus dem »Wohltemperierten Klavier II« und Englische Suite Nr. 6 von J. S. Bach

Piotr Anderszewski, Klavier

 

»Kunst heißt, nicht wissen, dass die Welt schon ist, und eine machen.« (Rainer Maria Rilke)

Aus der Görlitzer Synagoge: Martha Argerich und Mischa Maisky

Die Synagoge in Görlitz ist eines der aufregendsten Kulturdenkmäler der Lausitz. Sie ist nicht nur ein Jugendstil-Bau von ausnehmender Schönheit, sondern hat zumal eine bewegte Geschichte. Denn sie ist eine der wenigen Synagogen in Deutschland, die nicht der Pogromnacht von 1938 zum Opfer fiel. Die beiden Weltklassemusiker Martha Argerich und Mischa Maisky, die aufgrund ihrer persönlichen Geschichte eine besondere Affinität zu diesem einmaligen Ort haben, werden die ehemalige Synagoge das erste Mal seit 1938 wieder zum Klingen bringen – und dies fast ein halbes Jahr vor der geplanten Öffnung für die Öffentlichkeit.

Werke von J. S. Bach, L. v. Beethoven, M. Bruch und O. Messiaen

Martha Argerich, Klavier | Mischa Maisky, Violoncello

 

»Und ob alles in ewigem Wechsel kreist, / Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.« (Friedrich Schiller)

Gidon Kremer Trio spielt Weinberg-Sonaten

Es war Geigenvirtuose Gidon Kremer, der vor einigen Jahren damit begann, die bis dahin wenig bekannte Musik Mieczysław Weinbergs einer breiteren Öffentlichkeit im Westen Europas vorzustellen. Seither hat Kremer das kompositorische Werk Weinbergs immer wieder in das Zentrum seiner Konzerte gerückt. Er selbst empfindet Weinberg als einen der bedeutsamsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Diese Überzeugung verbindet ihn mit seinen musikalischen Partnern, dem Pianisten Georgijs Osokins und der Geigerin Madara Petersone, die gemeinsam mit dem Namensgeber das Gidon Kremer Trio bilden.

Werke von M. Weinberg, F. Chopin, C. Schumann, D. Schostakowitsch

Gidon Kremer, Violine | Madara Pētersone, Violine | Georgijs Osokins, Klavier